29 November 2010

Die Zeit vergeht..


In letzter Zeit erwische ich mich manchmal dabei, dass ich denke "Oje, dafür bin ich irgendwie zu alt!". Und das mit 26...
Früher konnte man dreimal hintereinander feiern gehen und dabei alles gemischt trinken, dann noch mit den Öffentlichen nach Hause fahren; am nächsten Tag hatte man höchstens ein bisschen Kopfschmerzen. Mittlerweile bin ich nach einem Abend im Club so zerschossen, dass ich zwei Tage brauche um wieder einigermaßen normal auszusehen und mich auch so zu fühlen.
Ein weiteres Beispiel ist, dass man für bestimmte Aktivitäten, oder Aufgaben viel mehr Anlaufzeit benötigt. Irgendwie vergeht die Zeit mittlerweile schneller und ich wundere mich Anfang Dezember, dass es kalt ist, weil nach meiner inneren Uhr eigentlich noch Sommer ist. Man braucht für Haushaltsaktivitäten plötzlich vier Stunden, obwohl man das vorher noch in zwei geschafft hat. Eine Stunde mentale Vorbereitungszeit, eine Stunde putzen und zwei Stunden erholen.
Auch ist man plötzlich irritiert über Wörter wie "laser". Gestern kam die Erkenntnis, dass dieses Wort doch tatsächlich im Sprachgebrauch eingeführt ist. Ich hielt es für einen Scherz, aber das ist es nicht.
Auch neu ist, dass Kinder und Jugendliche mich siezen. "Entschuldigen Sie, hätten Sie vielleicht eine Zigarette für mich?". Und noch schlimmer als diese Frage ist eigentlich meine Reaktion darauf, weil ich dann abwäge, ob derjenige denn auch schon 18 ist... Wie spießig... Ich habe doch damals auch schon früh angefangen zu rauchen.
Früher habe ich mich geärgert, wenn der Türsteher mich nach meinem Ausweis gefragt hat. Ich sah doch schon so erwachsen aus; wie kann der Mann es wagen mich zu fragen. Schließlich bin ich auf meinem Schülerausweis doch schon längst 18. Mittlerweile werde ich nicht mehr gefragt und wünsche es mir insgeheim, dass es doch mal passiert.
Vor ein paar Jahren wurde ich richtig wütend, wenn jemand mich jünger geschätzt hat. Heute ist das definitiv anders. Mein Tag ist gerettet, wenn jemand sagt ich sehe aus wie 21.
Auch die Themen ändern sich. Hat meine Mutter bis vor ein paar Jahren noch den Kopf geschüttelt, wenn ich über heiraten und Kinder kriegen gesprochen habe, kriege ich jetzt ernsthafte Antworten und Tipps.
Auf dem Wunschzettel stehen Töpfe, Bettwäsche, Wohnungsgegenstände und nicht mehr Gutscheine für H&M, oder Kosmetik.
Man trifft sich abends lieber mit seinen Mädels (mittlerweile weiblichen Freunden, weil Mädels sich irgendwann komisch anhört) und strickt, trinkt nen guten Wein, oder kocht und ist um eins müde, weil der Tag doch ganz schön anstrengend war. Abends schmiert man sich die Creme ins Gesicht, die man nicht nach dem Geruch und der Verpackung, sondern nach Inhaltsstoffen und Wirkung gekauft hat.

Doch so schlimm ist das eigentlich alles nicht. Auch die ersten grauen Haare zu finden und schnell auszureißen, bevor sie jemand sieht... Alles halb so wild.
Schließlich stimmt der Satz: "Frauen altern wie Milch, Männer wie Wein!" nicht.
Meine Mutter ist das beste Beispiel, dass man schöner werden kann mit dem Alter. Und schlauer wird man im Zweifelsfall auch.
Und feiern gehen muss man sowieso nicht so viel. Ich spare das Geld lieber für eine Eigentumswohnung...

10 Oktober 2010

Einen iced chai latte zum paket, por favor!


Letztens in der Quitte: "Ey, der Typ war so busy und konnte mein excitement wegen des nichtvorhandenen guestlist-Platzes bei dem Event garnicht verstehen!" Ich war wie gebannt und drehte mich nur nach meinem Freund um, der das auch gehört hatte und ein Lachen unterdrücken musste.
Vor kurzem in einer Vorlesung, ein ziemlich großes und unverständliches Diagramm wurde an die Wand projiziert: "OMG!!!" Ich drehte mich um und konnte mir die Frage nicht verkneifen, was der Kerl denn damit meint. Von oben herab und wie mit einem kompletten Vollidiot sprechend sagte er: "Du weißt nicht, was das heißt????? (irritierter Blick) Oh, my god!" Aha. Also "Oh, mein Gott!" Das ist als würde man rofl, lol usw. in der Alltagssprache benutzen. Solche Leute gibt es! Es reicht nicht mehr einfach zu lachen. Nein, man muss es unterstützen indem man ein rofl dranhängt. Traurig. Bei einem echten Lachanfall hat man garnicht das Lungenvolumen, um noch ein "rofl" auszusprechen. Wenn man lauthals lacht, dann kommt einem kein "lol" über die Lippen. Wer zu cool ist, um einen Lachanfall zu haben, hat diese Wortvergewaltigungen vielleicht nötig. Wer Botox gespritzt hat, der sollte soetwas vielleicht auch anfügen, wenn etwas lustig war.
Vor ein paar Jahren beim Abendessen mit meinem Onkel, der viel Zeit in Amerika verbringt: "Dann bin ich mit meinem SUV im Kreis gecircelt und der Automat im Parkhaus hat meine creditcard nicht acceptet." Meine Eltern und ich konnten es kaum fassen. Hat dieser Mann das gerade wirklich gesagt? Muss er so reden, damit jeder merkt, dass er einige englische Wörter kennt und damit kosmopolitisch wirkt? Brauchen manche Menschen sowas, um ihr Selbstwertgefühl aufzubessern?
Letzten Winter auf dem Hundeplatz: "Schahatz, es ist schon voll late und ich freeze!" Ahhhhhhh!!!! Nein, es ist schon sehr spät und dir ist kalt! BITTE!!!!!
Mir sind diese eingebauten englischen Wörter suspekt. Es sind keine Anglizismen. Also ist es wohl Denglisch. Ein Wort bei dem ich ab und an schonmal mit kribbelnden Zehen und Ausschlag zu kämpfen habe. Ist das eine Nebenwirkung der Gentrifizierung Berlins?
Ich kann mir mittlerweile vorstellen, wie sich meine Mutter, oder sogar Oma gefühlt haben, als ich anfing "cool" oder "googeln" zu sagen. Es scheint außerdem ein neues Wort zu geben, welches Freude ausdrücken soll: "laser!" "Ey, der iced chai latte to go schmeckt ja voll laser mit cinnamon!" Hilfe! Hatte ich schonmal erwähnt, dass ich lieber einen Tee mit Gewürzen und Milch bestelle, als einen chai latte?! Und laser erinnert mich eher an Star Wars.
Ein weiteres Phänomen, welches meiner Meinung nach (Vorsicht, Denglisch) nur in Hipster-Kreisen auftritt ist das kenntlich machen von Ironie. "Ey, die Bar 25 ist ja voll overrated! Not!" Das bedeutet, dass die Person die Bar 25 mag und sie nicht für überbewertet hält. Irritierend und mitunter auch beleidigend. Ich würde mir doof vorkommen, wenn mein Gegenüber denkt er müsse Ironie kennzeichnen, damit ICH es verstehe. Gewagt wäre es jetzt besagten Leuten einen niedrigeren IQ (deutsche Aussprache) vorzuwerfen, weil sich Ironie ja eigentlich von selbst erklären sollte... Also werde ich das nicht machen.
Und warum bauen wir hier in Berlin eigentlich englische Wörter mit ein? Wäre es nicht sinnvoller türkische und mittlerweile auch spanische Wörter zu benutzen?
"Fantàstico, deine neue Haarfarbe ist ja voll güzel!" Oder: "Einen Kaffee zum paket, por favor!" Finde ich gut und werde versuchen es anzuwenden.
Bei all dem Gemecker darf ich allerdings nicht vergessen, dass Sprache sich ständig im Wandel befindet. In Berlin gibt es viele Wörter, die aus dem Französischen stammen (Boulette, Toilette usw. ). Es ist klar, dass Sprache sich verändert, wenn viele unterschiedliche Kulturen aufeinander treffen. Und trotzdem plädiere ich für eine Austauschvielfalt. Nicht nur englische Wörter sollten übernommen werden, sondern auch türkische und spanische. Von jedem etwas.
Und am Allerschönsten wäre es, wenn die Leute merken würden, dass die deutsche Sprache schon sehr viele schöne Wörter besitzt. Man braucht eigentlich keine Ersatzwörter. Außer man möchte seine (Vorsicht, Denglisch) Coolness beweisen.

18 September 2010

Oreo-Cookie-Cheesecake



Boden:
25 Oreos, zerbröselt (bei 24er Springform; bei 26er 30 Oreos)
5 EL Butter, geschmolzen
Füllung:
900 g Frischkäse
200g Zucker
2 EL Mehl
4 Eier
2 Eigelb
50 ml Sahne
Vanille Aroma
15 Oreos, grob zerkleinert
Vanilla-Icing:
100 g Frischkäse
1 TL Milch
250 g Puderzucker
1 TL Vanillezucker
Oreos mit Butter mischen und in die Springform geben. Glattdrücken, kalt stellen.
Den Frischkäse cremig rühren. 200 g Zucker hinzufügen und ca. 3 Minuten weiter schlagen. Mehl hinzufügen. Nach und nach Eier und Eigelbe zufügen. Eins nach dem anderen. Zum Schluß Sahne und Vanille hinzugeben.
Jetzt die eine Hälfte der Füllung in die Springform geben und zrehackte Oreos drüber geben. Ich finde es am besten, wenn die Oreos nur am Rand sind. Nun die restliche Füllung drüber geben.
Im vorgeheizten Backofen bei Ober- und Unterhitze 220° 15 Minuten backen. Nach den 15 Minuten die Temperatur auf 110° reduzieren und weitere 50 Minuten backen. Die Temperatur variiert von Ofen zu Ofen sehr stark. Immer mal wieder testen (mit Holzstab), ob der Kuchen fester wird. Komplett fest wird er erst im Kühlschrank.
Wenn er zu dunkel wird, dann legt man am besten Alufolie über den Kuchen und backt ihn bei niedriger Temperatur zuende.
Zum Schluß alle Zutaten des Icings verrühren und über den abgekühlten Kuchen geben.

14 September 2010

Die Monogamie des Kamels


Vor kurzem war ich mit einer Freundin in Tunesien. Genauer gesagt auf Djerba.
Ich als absolute Tierfreundin hatte Angst, dass die dort lebenden Tiere, wie in vielen südlichen Ländern, nicht so gut behandelt werden. Vor meinem inneren Auge hatte ich verwahrloste Katzen, humpelnde Hunde, geschlagene Pferde und ausgehungerte Kamele. Doch schon nach kurzer Zeit merkte ich, wie tierlieb die Tunesier, also Berber genauer gesagt, sind. Uns wurde eine wunderschöne Geschichte erzählt an die ich gerne glauben möchte und die ich gern weitererzählen will.


Kamel (so heißt er wirklich), ein Berber und Pferdestallbesitzer, erzählte uns, dass die Berber und die Kamele sich sehr ähnlich seien. Beide stur und temperamentvoll dachte ich zuerst. Doch dieses Märchen ist einfach nur bezaubernd:

Kamel, ein stolzer und schöner Kamelmann, sah seine zukünftige Frau als er drei Jahre alt war das erste Mal. Er verliebte sich sofort in sie und wusste, dass er ihr bis an sein Lebensende treu sein würde. Vorher lebte er für kurze Zeit in einer Junggesellenherde in der es recht rau zuging. Er machte der Kameldame den Hof und sie verliebte sich ebenso in ihn. Lange Zeit lebten sie glücklich, bekamen Nachwuchs, ihr Menschenherr war gut zu ihnen und alles schien gut zu sein. Kamel war unendlich froh über sein Leben und die einzige Liebe seines Lebens. Bis zu einem Tag als sein Menschenherr wegen eines Diebstahls in Rage geriet und Kamel schlug. Der Menschenherr wusste wie Kamel darüber dachte. Kamel ließ sich nicht schlagen, er mochte es nicht, wenn man über ihn lachte und genauso wenig ließ er es durchgehen würde ihm jemand seine Frau stehlen.
Er schwor sich Rache an seinem Menschenherr zu üben. Doch der Menschenherr war sich seines Fehlers durchaus bewusst. Er hatte schon vor Kamel Kamele gehabt und wusste, dass die Rache eines Kamels tödlich sein kann. Also baute er sein Lager auf und stopfte Decken unter seinen Schlafsack, damit es aussah als würde er schlafen. Er selbst kletterte auf eine Palme und beobachtete seinen Schlafplatz. Spät in der Nacht kam Kamel und trampelte mit aller Kraft und Wut auf dem Schlafsack herum. Der Menschenherr sah dies und fing lauthals an zu lachen. In seinem Stolz gekränkt rannte Kamel mit dem Kopf gegen die Palme. Immer und immer wieder. Er hatte starke Schmerzen, aber diese Demütigung konnte er nicht auf sich sitzen lassen. Er lief so lange gegen die Palme bis er schlußendlich umfiel. Kurz bevor er starb dachte er noch an seinen Onkel, der Selbstmord beging, weil der Kamelmann aus dem Nachbarsort ihm seine Kamelfrau ausspannte.
Der Menschenherr stieg von der Palme und schwor sich nie wieder einem Tier weh zu tun, es auszulachen, oder es ohne Respekt zu behandeln.

Diese Geschichte beschreibt den Umgang der Berber mit ihren Tieren sehr gut. Besonders stolz sind sie auch auf ihre Pferde. Wunderschöne Araber! Sie lieben ihre Tiere und behandeln sie mit Respekt. Trotz Armut sieht man kaum ausgehungerte Tiere.
Schon allein wegen dieser Tatsache ist Djerba eine Reise wert.

Hadith 966 Sahl ibn 'Amr, oder ibn Ar-Rabil ibn 'Amr Al-Ansäriy, bekannt mit dem Spitznamen Ibn Al-Hanzaliya, und einer der Gläubigen(r), die dem Propheten(s) die Treue in der Ridwan-Huldigung bei Hudaibiya gelobten, berichtete: Der Gesandte Allahs ging an einem abgemagerten Kamel vorbei, da sagte er: "Fürchtet Allah! Kümmert euch um die Rechte dieser stummen Tiere; so pflegt sie gesund, sodass sie euch als Reit -oder Schlachttiere dienlich sind."

14 August 2010

Der Unterschied



Lange habe ich überlegt, ob es an mir liegt. Ob ich einfach zu klugscheißerig, altklug, oder pedantisch bin. Oder vielleicht ein Mega-Super-Hirn! Der Gedanke würde mir besser gefallen.
Schon als Kind fiel mir auf, dass Männer in bestimmten Situationen einen leeren Gesichtsausdruck bekommen und rumglucksen. Ich merkte, dass wir nicht nur physionomisch anders sind, sondern auch ganz anders denken.
Während mein Papa jeden morgen, bevor er zur Arbeit musste, hektisch fluchend seinen Schlüssel suchte, der natürlich nicht an dem dafür vorgesehenen Schlüsselboard hing, stand meine Mutter mit einem triumphierenden Lächeln (man kann es auch diabolisch nennen) und dem Schlüssel in der Hand an der Tür. Sie war es auch, die immer wusste wo die Lieblingsjeans, die Bastelschere, das Akkuladegerät und auch sonst ungefähr alles lag. Nur die fehlenden zweiten Socken waren ihr immer ein Rätsel, aber ihre Erklärung war: "die Waschmaschine frisst Socken!". Komisch nur, dass man die Socken nie wiederfinden konnte, wenn man den Schlauch abmontiert hat...

Doch meine Mutter kannte nicht nur die Orte verloren geglaubter Dinge, sondern konnte sich jeden Termin merken. JEDEN! Wann mein Papa den nächsten Zahnarzttermin hat, wann ich den nächsten Zahnarzttermin hab, wann wir zuletzt beimZahnarzt waren, wann irgendeine Tante Geburtstag hat und wie alt sie wird, wann der Chef meines Vaters Geburtstag hat, der Hund der Nachbarin, der Jahrestag des Postboten und seiner Frau! ALLES! Dank ihr stand man nie blöd da und wurde immer erinnert an jegliche Termine. Ob wichtige, oder unwichtige.
Schon ein bisschen gruselig. Wäre da nicht das Fehlen jeglichen Verständnisses für Technik, oder Fußball könnte man sie schon als Roboter mit Mega-Festplatten-Kapazität bezeichnen. Superbrain!
Zusätzlich zu all diesen Dingen, die ja schon sehr verblüffend sind, kann sie sich jeden Satz merken den man ihr mal im Streit an den Kopf geworfen hat. Sie erinnert sich sogar an das Datum, den Ort, die Uhrzeit und den Zusammenhang. Sieweiß, was derjenige an diesem bestimmten Tag anhatte und benutzt diese Fähigkeit sehr gern gegen einen. Ein guter Kolumnist schrieb letztens, dass er glaubt in dem Kopf seiner Frau lebe eine Stasimitarbeiterin mit strengem Dutt und einer Schreibmaschine, die alles dokumentiert. Ich finde den Vergleich sehr passend.
Diese Superheldenfähigkeiten sind Segen und Fluch gleichzeitig. Als Kind war ich froh, dass Mama wirklich immer wusste wo ich mein Lieblingsspielzeug liegen lassen hab. Als Teenie fand ich es auch super, dass sie wusste, wann meine Lieblingsband auftritt und wo zum Teufel schon wieder das Telefon liegt. Ja, das alles war ganz toll. Ihr genervtes Gesicht habe ich damals einfach ausgeblendet. Ist doch nur Mama... Ich bin zu faul zum Suchen, also frag ich Mama. Patzige Antworten hab ich ignoriert. Im Endeffekt MUSSTE sie nämlich sagen wo der gesuchte Gegenstand ist. Sie konnte garnicht anders.
Erst als ich das erste Mal mit einem Mann zusammengezogen bin fiel mir auf, dass dieser kleine, feine Unterschied zwischen den Geschlechtern anstrengend sein kann. Nun bin ich es nämlich, die ständig gefragt wird wo die Pfanne, der Topf, das Salz, der Spülmaschinentab, das neue T-Shirt, die Regenjacke, der Schlüssel, das Handy und auch sonst alles ist!!! Ich muss nun an Geburtstage, Jahrestage, Termine erinnern.
Auf ein: "Schahatz, wo ist denn mein Ausweis?" kann vonmir schon mal eine äußerst giftige Antwort kommen. Vor allem, wenn der Ausweis immer an der gleichen Stelle ist.
Aber anstatt zu sagen: "Weiß ich nicht, musste selber suchen!", gebe ich ihm den Ausweis lieber. Dadurch entsteht natürlich kein Lerneffekt, aber die hektische Suche des Mannes nervt fast noch mehr. Komisch, ich hab ein Déja-vu.... Nur, dass ich nun meine Mutter bin.
Fast noch schlimmer als das sich nicht-merken-wo-ein-Gegenstand-liegt ist allerdings das Termine verdrängen, alles in der letzten Minute machen (es ist ein Irrglaube, dass dann alles nur 1 Minute dauert) und das unangenehme-Briefe-nicht-öffnen (auch dadurch verschwindet der Inhalt nicht). Und somit übernimmt man ab dem ersten Tag des Zusammenziehens die Rolle, die damals seine Mutter übernommen hat.
Auf diese "Fehler" angesprochen sagte mein Freund etwas aufden ersten Blick ziemlich gemeines: "Aber dafür brauche ich dich doch!" Im ersten Moment dachte ich ihn falsch verstanden zu haben. DAZU braucht er mich? Bin ich dann quasi eine schlecht bzw. garnicht bezahlte Assistentin? Wenn all diese Dinge ein App übernehmen könnte, wäre ich dann überflüssig? Doch nach längerem Nachdenken gefiel mir der Satz. Es ist schön gebraucht zu werden. Mama spielen, wenn man es jedoch lieber nicht so nennen sollte, ist etwas Schönes. Den Überblick zu haben ist auch schön. Und man erlebt zwischendurch Überraschungen, wenn der Mann zum Beispiel ohne Aufforderung daran gedacht hat Klopapier zu kaufen, oder den Jahrestag im Handy gespeichert hat.
Und lebt es sich nicht auch viel entspannter, wenn man jemanden hat der quasi ein Gedächtnis-Back-up ist?


Ich bin gern Kalender, Fotogedächtnis und einbisschen Mama. Ich liebe Männer dafür und genauso rege ich mich darüber auf. Und natürlich bin ich nicht nur Assistentin, sondern auch Freundin, Kumpel und Geliebte. Nur sind die meisten Männer eher vorsichtig, wenn sie auf bestimmte Fragen antworten sollen. Ich könnte ja mit einem Satz den er vor 3 Jahren gesagt hat ankommen und ihn damit widerlegen beziehungsweise enttarnen.

Und zur Verteidigung der Männer muss ich zugeben, dass man mir zehnmal erklären kann wo ich die Systemeinstellungen auf meinem Desktop finde und wie ich es verändere, aber ich kann es mir einfach nicht merken. Oder vielleicht will ich es mir auch garnicht merken, weil ich ihn ja auch für irgendwas brauche...

31 Juli 2010

Mein Name ist Katharina K. und ich bin süchtig

Anfangs habe ich die Süchtigen belächelt. Habe auch schonmal geflucht über eine so unsinnige Sucht. Habe es abgetan als Modedroge. Mein Freund ist schon eine ganze Weile drauf. Er schläft sogar mit der Droge in der Hand ein, geht damit auf die Toilette, gibt sie kaum aus der Hand und bietet sie in fast jeder erdenklichen Situation als Hilfe an. Ich durfte es nicht anfassen, weil er Angst hatte ich könnte es ihm kaputt machen, oder wollte er mich schützen?

Nachdem er nun auf die härtere Version davon umgestiegen ist, hat es auch mich erwischt!
Anfangs nur in geringen Dosen. Erstmal dran gewöhnen, damit umgehen lernen. Ich konnte nicht ahnen wie schnell man abhängig wird.
Nachts kann ich nicht schlafen, weil ich unbedingt mehr will, morgens sehe ich sie mir sofort an und checke, ob alles noch so ist wie vorm Einschlafen. Unterwegs hole ich sie immer wieder heimlich aus der Tasche und streichel sie.


Also, ich bin Katharina K. aus Berlin und ich bin süchtig. Ich habe ein Iphone und liebe es!
In der ersten Zeit waren mir Iphone-Schwärmer suspekt. Ich bin ein digital native und war der Meinung, dass das Iphone nichts Besonderes ist. Es musste ja mal so ein Handy kommen. Entschuldigung, Smartphone meine ich natürlich. Mit Minority-report-mäßigem Touchscreen.
Aussehen? Zu groß, aber ganz nett. Apple halt. Die achten darauf, dass man das Design schön finden muss.

Meine Meinung vor dem Besitz

Immer wieder wurde mir das Iphone in die Hand gelegt und erklärt, was es alles kann. Großartig! Es hat Internet! Toll! Man kann sehen, wo das nächste Restaurant, der nächste Supermarkt, Apotheke, Puff, Tierarzt und überhaupt sonst alles ist. Mit Bewertung und Wegbeschreibung. Steht man verloren im Wald? Kein Problem, da gibts ne App. Schon allein dafür lohnt es sich sich einfach mal im Wald zu verlaufen. Du möchtest wissen, wie das Wetter in Buxtehude ist? Da gibts ne App. Hinfahren wird man deshalb zwar nicht, aber man weiß es! Du musst dich unterwegs rasieren und hast deinen Rasierer vergessen? Macht nichts, auch dafür gibts ne App. Macht zwar nicht glatt, aber gibt einem das Gefühl. Du willst ein Regal aufhängen, aber hast keine Wasserwaage? "Hier, nimm mein Iphone!", sagt mein Freund. Du vermisst das Gefühl von Fingernägeln auf der Tafel, oder möchtest nur deine Umwelt ärgern? Rate mal! Auch dafür gibts ne App. Du möchtest deine Gitarre stimmen, aber hast keine Stimmgabel zur Hand und kein gutes Gehör? Das Telefon der Telefone nimmt es dir app.
Das Iphone kann so ungefähr alles, wenn man Besitzer fragt. Es ist Walkman, Fotoapparat, Fotoalbum, volles Bücherregal, Kochbuch, Navigationssystem, Taschenlampe, Kalender, Telefonbuch, Spielekonsole, Spiegel, Stimmgabel und vieles andere in einem.


Wie konnte ich nur so lange ohne dieses Teil leben? Alles wird einfacher. Nur sms schreiben mag es nicht so sehr, aber darüber kann man hinwegsehen. Regen findet es auch nicht so toll, aber dafür gibts bestimmt auch bald ne App.
Normale Handgriffe geschehen nicht mehr einfach. Man überlegt vorher, ob es nicht vielleicht doch eine App gibt, die einem den Handgriff erklärt, abnimmt oder vereinfacht.
So habe ich kurz vorm Einschlafen, nach einem 4-stündigen Siedler 4 Match, überlegt, ob es nicht auch eine Zahnputzapp gibt. Oder eine ich-muss-ne-Hausarbeit-schreiben-aber-hab-durch-das-Iphone-keine-Zeit-mehr-App.
Das Liebesleben erlebt ganz andere Dimensionen. Schließlich gibt es eine Kamasutra-App. Dass das Liebesleben eigentlich weniger wird, weil beide nur noch in ihre Handys gucken ist reine Spekulation.



Ich gebe zu, dass ich mich geirrt habe. Auch für einen digital native ist das Iphone toll! Ich geb es nicht mehr her.
Morgen frag ich es, ob es meinem Freund Kaffee kocht und für mich mit dem Hund Gassi geht. Wir leben jetzt nämlich zu fünft in der Wohnung. Zwei Iphones, ein Hund, zwei Süchtige.

19 Juli 2010

Studentenprototypen




Der Student an sich wird vielerorts belächelt. Es gibt viele Vorurteile, viele Schubladen und viele Fakten.
Vorurteil ist, dass Studenten ein lockeres Leben haben und immer lang schlafen. Allein dieses Vorurteil konnten, nicht nur heute, ca. 250 Studenten widerlegen, die um 8:30 Uhr eine Klausur in Frankfurt/Oder schreiben mussten. Die meisten der dort Studierenden sind Berliner, die auf Grund von Studenten aus anderen Bundesländern keinen Platz in Berlin bekommen haben, die gern in der Nähe von Polen sind um günstig einzukaufen, oder deren Durchschnitt für Jura an anderen Unis einfach zu schlecht war. Ja, Jura ist in FFO einschreibungsfrei... Es soll natürlich auch welche geben, die auf Grund des guten Rufs an die Viadrina gegangen sind (ich habe bisher allerdings nur davon gehört und noch nie jemanden getroffen). Das bedeutet man muss mindestens eine Stunde Fahrt berechnen (7:00), dann das allmorgendliche Schönheitsprogramm, welches von Studiengang zu Studiengang sehr unterschiedlich ausfällt, aber dazu gleich mehr, ca. 6:15. Frühstück, richtig aufwachen und die Tasche packen, 5:30. Ich finde nicht, dass 5:30 Uhr spätes Aufstehen, oder Ausschlafen ist.
Faulheit ist eine weitere Eigenschaft, die gern propagiert wird. Um das zu widerlegen brauche ich nur anzuführen, dass ich in den letzten zwei Wochen keine Wochenenden hatte und bei schönem Wetter (es waren fast durchgängig 30°) in der Bibliothek gesessen habe. Nach Faulheit klingt das nicht. Was man in der Bibliothek so gemacht hat ist nebensächlich. Man kann schließlich nicht 8 Stunden durchlernen, wenn so viele bekannte Gesichter um einen rumsitzen.

Ein weiteres Gerücht, welches ich als bestätigt sehe, ist, dass die Wohnungen der Studenten kurz vor Semesterende blitzen. Putzen scheint eine Voraussetzung für vernünftiges Lernen zu sein. Ich zum Beispiel saß in der Küche, habe gelernt, wurde müde und weil ich nicht ins Bett wollte, weil ich dort garantiert eingeschlafen wäre, hab ich mich auf meinen Lebensmittelkontrolleur-sauberen Boden gelegt um eine kurze Pause zu machen. Als ich dort lag ist mir aufgefallen wie dreckig doch die Unterseite der Einbauküche ist (solltet ihr mal kontrollieren... Igitt). So kann man auf keinen Fall lernen. Das geht nicht. So ein Schmutz muss eliminiert werden. Sofort! Also war erstmal 2 Stunden schrubben angesagt. Danach war es schon so spät, dass ich schlafen gehen musste, damit ich am nächsten Tag früh in die Bibliothek gehen und Feldstudien an Studenten betreiben kann.
Es ist nämlich so: man erkennt die Studiengänge am Styling der Studenten.
Da haben wir die Jurastudenten, die meistens im Rudel auftauchen. Gerne tragen sie aufeinander abgestimmte Kleidung. Ob das Zufall ist muss ich in den nächsten Wochen noch rausfinden. Bisher bin ich der Meinung, dass man nur Jura studieren darf, wenn der Inhalt des Kleiderschranks stimmt. Ralph Lauren "Safari"-Hose, Kaschmir- oder Kaschmirersatzpullover mit V-Ausschnitt und Hemd drunter, etwas längere, gegelte Popper-Frisur, Loafers und eine teure Uhr. Wahlweise bzw. Sommeroutfit ist knallige Short mit knalligem T-Shirt und knalligen Schuhen. Rainbow-Crew. Die Mädels sind komplett aufgestylt als würden sie in einen Club gehen in den ich in meinem Abi-Ball-Kleid nicht mal reinkommen würde. Sie "laufen" im tiefsten Winter mit offenen Plateau Highheels den Berg zur Uni runter und tragen ihre Handtasche in einer recht komischen Handhaltung am Handgelenk. Das Gesicht müssen sie sich morgens aufmalen, weil man sie vermutlich sonst garnicht erkennen würde. Faulheit ist das nicht. Lange schlafen erst recht nicht.
Nun zu den BWL`ern. Treten auch häufig in Gruppen auf, man hört sie schon von weitem und sehr wichtig scheint ein Handy mit viel Platz für Musik (vorzugsweise Muschi-House und Trash-RnB) und einem sehr lautem Lautsprecher zu sein. Tendenziell eher prollig. Die Typen tragen am Liebsten Picaldi-Jeans, Sneaker, Muskelshirts, oder T-Shirts mit Tony Montana drauf. Die Haare sind im "Boxerschnitt". Die Mädels haben Jahresabos bei Orsay und lieben Modeschmuck und breite Gürtel (oder sind es Röcke?!). Bei den BWL`ern gilt: wer am lautesten brüllt hat Recht.
Nun zu den KuWi`s: eher verschrien als die Esotheriker unter den Studenten. Die Schluffis, die Geisteswissenschaftler, die Gammler, Bodensitzer, Eurethmieler... Und tatsächlich scheint es auch dort eine unabgesprochene Kleiderordnung zu geben. Batik und Naturmaterialien sind sehr hoch im Kurs. Fair-Trade wird groß geschrieben. Filz ist sehr beliebt. In den Haaren und am Körper. Während die BWL`erinnen und angehenden Staranwältinnen auf der Toilette sind, um sich ihr Gesicht neu aufzumalen sitzen die KuWi`s vor der Uni auf dem Boden, rauchen Selbstgedrehte, tauschen vegane Rezepte, oder wie man den Kombucha am besten ansetzt, oder tanzen ihren Namen. Gerne wird auch über das politische Weltgeschehen mit einer Sozialpädagogenstimme philosophiert, oder es werden Gender-studies betrieben. "Die Stellung der Frau ist nämlich immernoch nicht gleich der des Mannes, was ein Skandal in der heutigen Zeit ist..."
Als jemand, der mit BWL angefangen und dann zu KuWi gewechselt hat bin ich noch nicht so recht angekommen. Ich versuche zwischen den normalen Leuten aus allen Studiengängen die Nettesten rauszusuchen. Und das klappt bisher ganz gut. Ab und zu ist es allerdings auch sehr lustig sich mit Prototyp-Studenten zu unterhalten. Auch wenn man von keiner Gruppe so wirklich angenommen wird.
Vielleicht brauche ich einfach verschiedene Outfits. An einem Tag bin ich dann BWL-Katharina, die in Leggings und knallengem, pinken Kleid mit Lockenstabgelockten Haaren zu den Ying-Yang Twins tanzt und am nächsten Tag KuWi-Katharina mit orangener Hanfhose, Zimtlatschen, einclippbaren Filzdreadlocks und anklebbaren Achselhaaren über Che Guevara und Mumia Abu Jamal diskutiert. Für den Jura-Look fehlt mir leider das Geld, welches Studenten tatsächlich, trotz aller Ermäßigungen, fehlt.
Hach, es ist schön zu studieren. Anstrengend ist es auch. In Identitätskonflikte gerät man auch sehr leicht, aber zum Glück kann ich ja am Ende des Tages in mein geliebtes Neukölln fliehen und mir den alltäglichen Wahnsinn hier anschauen, was mir die Angst, in ein schwarzes Loch zu fallen während der Semesterferien, doch nimmt. Menschen (besonders Studenten) sind toll!!!