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13 April 2010

DAS perfekte Dinner! Oder: wie treibt man sich selbst in den Wahnsinn!



Viele haben wahrscheinlich schon mitbekommen, dass ich heimlich meinen Freund, der immer gesagt hat, dass er gern mal beim "Perfekten Dinner" auf Vox mitmachen würde, angemeldet hab! Und er wurde genommen! Beziehungsweise wir wurden genommen...
Ach, dachte ich mir, dann denken wir uns jetzt mal schön ein Menü aus, kochen es einmal, kaufen ein bisschen ein und dann klappt dit! Hahahaha Pustekuchen, weiß ich jetzt im Nachhinein.
Unser Menü besteht aus:

1. Rinderconsommée mit Kräuterfädchen
2. Lammcarrée auf getrüffeltem Kartoffelpüree mit grünen Bohnen, Rotweinschalotten und Smoly`s Salat
3. Grießflammerie auf Lavendel-Aprikosenspiegel mit Zitronentrüffel

Hmmmm, lecker! Sone Rinderconsommée mache ich, wenn jemand bei uns krank ist, oder jemand beeindruckt werden soll. Und der Mann macht tolle Pfannkuchen.
Das Hauptgericht ist komplett Sache meines Freundes. Er ist der Fleischspezialist.
Der Nachtisch ist dann wieder mein Metier. Créme Brûlee war die erste Wahl. 3 Versuche wurden getan, bis wir festestellten, dass das einzig Tolle daran der wohlklingende Name ist. Lecker ist das nicht gerade. Also weiter suchen. Einige Versuche später und verzweifeltetes Internetgesuche nach "DEM perfekten Nachtisch" ergaben Grießflammerie. Jap, das solls sein. Kriegt man nicht jeden Tag, schmeckt nach Kindheit und ist trotzdem schick. Nur, wie macht man das eigentlich? Oma? Oma sagt: "Nimm Milch nach Gefühl, Grieß nach Gefühl, ein paar Eigelbe, etwas Sahne, dann klappt das!" Toll! "Oma, wieviel Milch? Oder Grieß?" "Kind, das weiß ich nicht. Mach doch einfach nach Gefühl..." Ahhhhh! Also weiter im Internet suchen nach dem perfekten Grießflammerie. 26 Rezepte allein bei Chefkoch.de. Welches ist am Besten? Ausprobieren. Nach 3 Versuchen dann der Durchbruch! Ich habs gefunden. Lecker, fluffig, kindheitig und einfach nur zum Reinlegen. Freunde haben getestet und für gut befunden. Das Ansehen unter den Freunden steigt, da sie leckeres Essen bekommen. Die gute Laune sinkt, da man nicht mehr rausgeht.
Wie schlau von mir das leckerste Rezept nicht zu speichern. Hilfe!!!! Welches wars denn jetzt? War es aus dem Kochbuch? Von Lafer? Von Chefkoch.de???? Panik! Nochmal ausprobieren. Mist, falsches Rezept. 2 Versuche später: Gefunden, speichern, behalten, runterkommen.
Das selbe übrigens mit dem Lavendel-Aprikosenspiegel. "Oma, wie macht man Marmelade?" "Kind, du nimmst ein paar Früchte, etwas Gelierzucker, kochst das Ganze und fertig!" Ach, so einfach, ja? Super, dann hab ich damit ja keinen Stress. 1. Versuch: sofort gelungen! Juhu!!! So viel gemacht, dass das reicht. Eine Woche vor der Aufzeichnung muss ich leider feststellen, dass nicht alle Gläser für Marmelade geeignet sind. Die Marmelade hat eine Schimmelschicht. HILFE!!!!! Den Tränen nahe und völlig verzweifelt losgezogen und echte Marmeladengläser gekauft. Marmelade Nummer 2. Nicht gelungen. Wegschütten. Dann Versuch Nummer 3. Jippieh!!!!! Es hat geklappt und ist leckerererererer als die erste Marmelade. Puh!!!! Tief durchatmen.
Von der Rinderconsommée, die man auch ganz einfach Rinderbrühe nennen kann, was aber nicht so toll klingt und man ja ganz schick sein möchte, es also Rinderconsommée nennt, ganz zu schweigen. Ne, ist klar. Einfache Sache. Oft gemacht. Immer lecker. Trotzdem lieber noch perfektionieren. Fazit: gefühlte 300 Mal Rinderbrühe gekocht und mittlerweile kommen Touristenbusse nach Neukölln, weil die erste Straße gefunden wurde, die nicht nach Hundekot, sondern nach Rinderbrühe riecht. Und das seit 3 Wochen!!!!
Der Hund wird immer dicker, weil er die Fleischreste bekommt, die Anbetung steigt. Ich bin seine Göttin! Schön, bringt mir auch nichts. Ich werde im Übrigen immer dünner, weil ich von dem ganzen leckeren Essen nichts mehr runterbringe. Und es ist ja auch für die Gäste. Nicht für mich!
Das Hauptgericht war am Unkompliziertesten. Vielleicht, weil mein Freund sich darum kümmert und lockerer ist, als ich. Aber ein Desaster gab es. Karstadt Lebensmittelabteilung vor zwei Wochen: Wir: "Wir würden gern Lammcarrée vorbestellen!" Metzger: "Brauchen Sie nicht. Haben wir immer da. Zu jeder Tageszeit, an jedem Tag!" Ich: "Mir egal, ich will vorbestellen!" Sicher ist sicher! Letzter Samstag: Ich: "Wo ist das Lammcarrée, dass sie immer haben?" Metzger: "Neuseeland liefert nicht!" Ich: "Aber sie haben uns garantiert, dass sie immer Lammcarrée haben!!!!!!" AHHHHH!!!! Metzgerin: "Heute nicht. Vielleicht kommt nächste Woche noch was rein!" Wir: Panik! Freund ab zu Galeria Kaufhof, die am Telefon sagten, dass sie Lammcarrée da haben. Tja, leider nur Kottlette... Ab zum Kadewe. Endlich! Viel teurer, schlechtere Qualität. Egal, fürs Probedinner reichts.
Montag Karstadt Lebensmittelabteilung: Wir: "Wo ist unser Lammcarrée, welches uns garantiert wurde???" Metzger: hilfloser, ängstlicher Gesichtsausdruck. Ich: "Können Sie sich erinnern, dass wir bestellt haben?" Metzger: Nickt ängstlich. Aus dem Off schreit ein Kollege er habe da noch vakuumverpacktes Neuseelandlamm, welches reserviert wurde. Juhu!!! Das ist unseres. Ein Glück!
Und wie war das nochmal mit den Wohnungen beim "Perfekten Dinner"? Wer die Sendung ab und zu mal guckt, der weiß, dass dort kein Staubkorn liegt, alles zusammenpasst, der Klodeckel nicht wackelt und überhaupt alles super-fancy aussieht. Selbst bei Studenten!!!! Ach, vergessen, die meisten kriegen ja den Neuwagen zum 18. Geburtstag inklusive Wohnungseinrichtung und Super-Küche in Edelstahloptik!!! Ich aber nicht!
Unsere Wohnung ist schön. Keine Frage, aber fernsehgeeignet? Eher nicht. Nicht so, wie sie normalerweise aussieht. Mist! Und sollten die Teller nicht vielleicht auch zusammenpassen? Oder das Besteck? Wieviele Töpfe brauchen wir? Wohin mit dem hysterischen Hund? Wirds Vegetarier geben? Oder gar Veganer? Allergiker? Anti-Alkoholiker? Man sollte ja an alles denken, wenn man gewinnen möchte.
Also kommt zum Kochstress noch Putz- und Umdekorierungsstress. Der Freund verdreht die Augen und sagt: "Kein Problem Schmatz, die filmen nicht alles. Es ist nicht so schlimm, wenn nicht alles perfekt ist."
Ich aber MUSS die doppelten Altbaufenster geputzt haben und auch sonst alles. Alle Schränke MÜSSEN ordentlich sein. Auch die Schubladen. Wer weiß!!!
Wo sollen die Gäste sitzen? Ein Tisch ist vorhanden, aber keine Stühle! Wer hat 5 identische Stühle? Die Oma hat welche, aber die ist in Bayern. Hm, Spedition? Ne, wird teurer, als wenn man sich mal eben 5 Stühle bei Ikea kauft. Mama? Mama hat nur 4. Egal, her damit. Den 5. leihen wir uns von unseren Testessern. Hervorragend. Endlich klappt mal was beim ersten Versuch.
Deko? Schlicht. Super. Blumengesteck, Menükarten, Tischdecke usw. muss aber trotzdem alles sein. Zum Glück gibts Nanu Nana. Sind ja keine reichen zugezogenen Studenten, die mal eben 200 Euro für ne neue Pfanne ausgeben.
Excel Tabelle angelegt für die Ausgaben. Wozu studiert man BWL? Festgestellt, dass die Kalkulation nicht hinhaut. Mist, Mist, Mist. Egal, mein Mann gewinnt eh! Muss gewinnen. Wird hoffentlich gewinnen? Bitte, bitte lass die anderen Kandidaten Hausmannkost machen. Kommt nie gut an. Oder landestypische Menüs, die man mit Händen essen muss. Gewinnen auch nicht.
Oder ganz unsympathische Personen, die an allem rummäkeln, aber selbst nur ne Ravioli-Dose warm machen können. Bitte!

Nun, am letzten Tag vor der Aufzeichnung bei uns verspüre ich eine zufriedenstellende Ruhe. Alles ist so gut wie erledigt. Excel, Word und hunderte Blätter wurden benutzt. Der Kühlschrank ist gefüllt, die Outfits und die Frisuren stehen. Der Hund kommt zur Hundesitterin. Die Brühe ist in den letzten Zügen. Grießflammerie gelungen. Puh!
Ich alte Paniktante bin mir allerdings sicher, dass wir irgendwas vergessen haben. Ganz sicher. Ganz, ganz sicher! Vermutlich etwas Wesentliches! Essentielles. Etwas, das so wichtig ist, das man nicht dran denkt, weil selbstverständlich. Aber was???????

04 März 2010

Im nächsten Leben werd ich Katze



Ich habe ein großes Vorbild. Er ist 17 Jahre alt, in Bayern geboren, Vater unbekannt. Vermutlich ein langhaariger Schwarzer.

Er ist extrem faul und kommandiert jeden in seiner näheren Umgebung hemmungslos herum. Er musste noch nie arbeiten gehen und macht und tut, worauf er gerade Lust hat. Wenn er 10 Stunden ununterbrochen schlafen möchte, dann macht er das. Wenn er schmusen will, dann schreit er meine Mutter an und sie krault ihn sofort und massiert ihm den Nacken. Wenn er Lust auf Garnelen hat, dann schreit er meine Mutter oder meinen Vater so lange an, bis sie ihm seinen Wunsch erfüllen. Er kennt seinen Namen, aber vergisst ihn auch, wenn er keine Lust hat. Und niemand ist ihm böse.
Er kann den ganzen Tag im Garten in der Sonne liegen und niemand wirft ihm vor er sei faul. Er muss keine Rechnungen bezahlen, nicht einkaufen gehen und trotzdem läuft bei ihm Zuhause alles wie am Schnürchen. Er hat eben Angestellte, die er nicht bezahlen muss.
Ein tolles Leben, was mein Kater Rüdiger von Schlotterstein da führt.
Nun habe ich beschlossen, dass ich in meinem nächsten Leben gerne Katze bei meinen Eltern wäre. Natürlich kommt das schon allein zeitlich nicht hin, aber wenn das nicht klappt, dann möchte ich doch wenigstens zu anderen Menschen, die Katzen so verfallen sind.
Der Gedanke als Ameise wiedergeboren zu werden ist mir nämlich zuwider. Woher ich diesen komischen Einfall habe? "Mieses Karma" von David Safier ist Schuld. Und mein Studium (BWL ist kein Spaß, wenn man Mathelagastheniker ist).

Zu Rüdiger und meiner Beziehung ist noch zu sagen, dass er auf meinem Schoß zur Welt gekommen ist. Er war schon von Geburt an nicht der Schlaueste. Natürlich wollte er etwas trinken, als er geboren war. Seine Mama hatte damals einen Pickel im Ohr und Rüdiger dachte, dass das eine Zitze wäre... Naja, so entschieden wir uns, dass dieser kleine Idiot unbedingt bei uns bleiben muss.
Ich war damals erst 8 Jahre alt. Da ich ein Einzelkind bin, wurde Rüdiger zu einer Art Bruder für mich. Wir spielten Verstecken (ja, das geht mit einer Katze wunderbar), wir stritten uns und er war eifersüchtig auf meine Freunde.
Seit meinem Auszug und meinem neuen Baby (mein Hund Mio) ist unser Verhältnis sehr angespannt. Wir sprechen nur noch das Nötigste miteinander und meistens versteckt er sich, wenn er mich sieht. Er wird mir wohl nie verzeihen, dass jetzt so ein stinkendes Monster bei mir eingezogen ist.

Und trotzdem ist er einfach wundervoll. Und genauso wundervoll ist es, wenn ich bei meinen Eltern anrufe und mein Vater mir sagt, dass meine Mutter nicht mit mir sprechen kann, weil der Kater auf ihr liegt und sie ihn nicht wecken möchte.
Auch schön ist, dass die beiden das Bett am Kopfende verlängert haben, weil Rüdiger`s Mutter gern auf den Kopfkissen geschlafen hat und die dann auch mit Krallen verteidigt hat. Nein, die Katze wird nicht aus dem Bett verbannt, um einen ruhigen Schlaf zu sichern. Das Bett wird verlängert.
Dafür (und natürlich auch noch für einige andere Dinge) liebe ich meine Eltern.
Für Aussenstehende mag das alles äußerst merkwürdig klingen, aber für mich hört sich das nach einem beneidenswerten Leben für Rüdiger an. Und es ist außerdem bewiesen, dass Katzen das Leben verlängern und der Körperkontakt heilend wirkt.
Das möchte ich von mir auch mal behaupten können!!!!