14 Juni 2011

Das Leben und Wohnen der Anderen...

Ich habe eine große Leidenschaft.Vermutlich bin ich damit nicht allein. Da ich ja sehr gerne in Schubladen stecke und noch lieber klischeetisiere, schaue ich mir gern Menschen an und überlege mir, wie wohl ihre Wohnungen aussehen könnten.
Manchmal laufe ich auch abends mit meinem Hund durch die Straßen und linse in Erdgeschosswohnungen. Sehr aufschlussreich, teilweise lustig, tragisch, unfassbar oder gruselig, was man da so sieht.

Besonders schön ist die Vielfalt der Wohnungen (und deren Mieter) in Neukölln. Die erste Wohnung an der ich bei meinen abendlichen Spaziergängen vorbei komme gehört einem richtigen Proll, wie er im Buche steht. Er ist altersmäßig schwer einzuschätzen. Er kann Mitte 20, aber auch Mitte 40 sein. Jahreslanges braten im Solarium macht die Bestimmung des Alters sehr schwer. Vermutlich heißt er Ralle und ist Bauarbeiter oder arbeitet bei der BSR. Er trägt am Liebsten Jogginghosen mit Zeitungsmustermotiv, neonfarbene Turnschuhe und Rippshirts. In seiner Freizeit geht er gern ins Solarium, telefoniert im Fitnessstudio (trainieren wird er dort nicht, aber angemeldet ist er garantiert bei McFit), mag Rummel, trifft sich mit Kumpels in seiner Lieblingskneipe, die entweder "Zum schiefen Eck" oder "0815" heißt und spielt dort Dart, schaut Sportsendungen und kneift der drallen Bedienung täglich in den Po und zwinkert ihr mit seinem Goldzahngrinsen zu. Seine Wohnung passt perfekt zu ihm. Ralle mag es sportlich ohne dabei sportlich zu sein. Ralle hat Fußballwimpel, Fußballschals, den neuesten Kalender mit heißen Mädels aus der Coupé, Fotos in Großformat von Motorrädern mit Mädels drauf, die aussehen als würden sie sich täglich fesseln lassen. Seine Einrichtung ist eher dunkel, viel schwarz, viel dunkelblau. In einer Ecke seines Wohnzimmers steht eine Glasvitrine mit Parfums, einem großen Bierglas mit einem lustigen Spruch und Modellautos, sein schwarzes Ledersofa hat auch schon einmal bessere Zeiten gesehen und die Flauschedecke mit Pferdemotiv hat er mal von seiner Mutter geschenkt bekommen. Natürlich ist Ralle technikmäßig auf dem neuesten Stand. Schließlich muss er ja die Ladies beeindrucken, die er im "Zum schiefen Eck" oder auf dem Rummel bei der Boxmaschine aufgerissen hat. 
Ein paar Häuser weiter lebt eine türkische Familie. Sehr ordentlich ist es dort, aber wahnsinnig voll! Überall sind Deckchen auf den Tischen, den Stühlen, den Regalen, dem Fernseher, dem Radio, unter den Töpfen der Plastikblumen. Überall. Die Mama sitzt auf dem geblümten Sofa und häkelt neue Deckchen. Der Vater sitzt rauchend auf dem gemütlichen Sessel und schaut fern. In einer Lautstärke, bei der ich mich jedes Mal wundere, warum dort die Polizei nicht auftaucht, aber bei Privatparties, die definitiv ruhiger sind. Der Esstisch dieser Familie ist jedes Mal reich gedeckt. Oliven, Kekse, Nüsse, Trockenobst, Schokolade, Halva, Baklava, Lokum... ALLES ist drauf. Die obligatorische Wachsdecke darf natürlich auch nicht fehlen. Die Schrankwand beherbergt viele kleine Figuren und kitschigen Kram. An den Wänden hängen opulente Holrahmen mit den Bildern, die wahrscheinlich beim Kauf drin waren und eigentlich ersetzt werden sollten.
Auf der gegenüberliegenden Seite befindet sich meine absolute Lieblingswohnung. Ich gerate jedes Mal in Versuchung bei "Mitten im Leben" anzurufen und die Familie (ich nenne sie jetzt einfach mal) Koslowski vorzuschlagen. Familie Koslowski teilt ihren Geschmack mit der Hälfte aller in Neukölln lebenden Menschen, glaube ich. Diese Familie ist den ganzen Tag zuhause und stellt Zigaretten im Akkord her. Zum Arbeiten bleibt da garkeine Zeit.
Blauer Teppichboden mit ausgebranntem Muster, eine Couch, die es vor 15 Jahren bei Domäne im Angebot gab in dunkelgrau mit peppigem buntem Spränkelmuster, ein praktischer Multifunktions-Kurbel-Fliesentisch, eine schwarze Schrankwand mit blau abgesetztem Muster und Aussparung für den Fernseher, unzählige Herzkissen mit "I love you"-Motiv neben Lebkuchenherzen, aufblasbaren Keulen vom Rummel und vielen, vielen Kuscheltieren, die friedlich nebeneinander auf der Sofalehne sitzen. Auf dem Kurbel-Fliesentisch steht ein übervoller Aschenbecher, der die Form eines Drachens hat. Daneben das Wichtigste Utensil der Familie Koslowski: die Stopfmaschine für den Pall Mall Tabak. Über dem Sofa hängt ein Kunstwerk von unfassbarer Schönheit und Eleganz. Das Lieblingstier der Trash-Tv Familien und zu Unrecht verkitschte Säugetier: der Delfin. Aber damit nicht genug, der Delfin springt aus dem Wasser und hinter ihm ein glitzernder und in allen Farben strahlender Sonnenuntergang. Wundervoll! Familie Koslowski braucht keine Tine Wittler. Familie Koslowski hat es einfach drauf.
Neben Familie Koslowski wohnt eine aus Süddeutschland. Der Mann ist vermutlich Berater einer großen Firma und die Frau ist entweder nur Hausfrau oder Sozialpädagogin. Abends sitzen sie mit ihren Kindern (Thorben-Niklas und Emilia-Farula) zusammen am großen Designertisch und spielen pädagogisch wertvolle Brettspiele oder helfen bei den Hausaufgaben. Das Wohnzimmer dieser Familie ist immer aufgeräumt und feng-shui-mäßig ausgerichtet. Selbstverständlich gibt es in dieser Wohnung keinen Fernseher, aber dafür ein riesiges Bücherregal mit den Klassikern der deutschen Literatur. Wenn die Kinder im Bett sind, sprechen die Erwachsenen über das Buch, welches sie gemeinsam lesen und diskutieren zwischendurch über wichtige Geschehnisse der Welt und die Ungerechtigkeit der Steuerbeiträge. 
Es gibt noch unendlich viele andere Beispiele, die nennenswert wären. Die zusammengewürfelte, komplett verwüstete Studenten-WG, die Messi-Wohnung, das 50 qm Wohnzimmer des sich die Hände reibenden Stuttgarter, der gerade wieder ein Haus in Kreuzberg gekauft hat, um es in ein unbezahlbares Loftgebäude umzubauen nachdem er alle Bewohner rausgeschmissen hat, das esoterisch angehauchte Hippie Wohnzimmer mit Tüchern, Stoffen, Räucherstäbchen und im Schneidersitz sitzenden Lebenskünstlern... und und und. 

Ich würde niemals ins Erdgeschoss ziehen und falls es einmal nicht zu umgehen ist, werde ich alle Beobachter reinlegen und meine Einrichtung komplett gegen mein Styleverständnis einrichten und die Beobachter beobachten! 

27 Mai 2011

Spanier sind die neuen Berliner - Wir sind Weltmeister






Es ist bestimmt schon einigen aufgefallen. In den letzten Jahren sah man vermehrt Menschen mit "Berlino" Reiseführern, die einen dann "where is Bar 25?" gefragt haben. Denjenigen hat es anscheinend bei ihrem Berlin-Ausflug so gut gefallen, dass sie beschlossen haben nach Berlin zu ziehen. Vielleicht ist es aber auch einfach nur die Rache für die Übernahme Mallorcas von Socken in Adiletten tragenden, Schnitzel essenden, Eimer saufenden und Schlager hörenden Deutschen. "Mallorca ist nun Deutsch, also machen wir Berlin Spanisch!". Ein guter Tausch? Für Einige bestimmt.

Ein anderer Grund könnte sein, dass Berlin DIE Electro-Hochburg und gefühlt jeder zweite Electro-Dj ist und hier versucht Fuß zu fassen. Dass das jedoch schon allein wegen der Anzahl der Dj`s und der geringeren Anzahl an Wochentagen, Events und Clubs nicht aufgehen kann und somit viele den "Berlin calling"-Traum nicht erreichen können, scheint nebensächlich. 
Also muss man natürlich anderweitig Geld verdienen, wenn der große Durchbruch ausbleibt. Somit arbeitet man als Kellner oder Servicekraft in einem Café oder einem Imbiss. 
Gestern, Tatort wohlbekannter Hühnchenimbiss am Görlitzer Bahnhof (nein, nicht Hühnerhaus): eine Freundin und ich: "Hi, wir hätten gern das sexy summer edition Hühnchen mit Süßkartoffel Pommes!" Koch: "Que?" Wir: "Ah, ok, dann auf Englisch. Hi, we would like to have the sexy summer chicken with sweet potato fries!" Der Koch schien immernoch nicht ganz verstanden zu haben, also mischte sich der Kassierer ein, ließ uns das Ganze nochmal wiederholen und er erklärte es dem Koch dann auf Spanisch. Nun gut... Vielleicht hab ich einfach an der Uni die falsche Fremdsprache belegt und sollte auf Spanisch umsatteln. Türkisch scheint nicht mehr so häufig gebraucht zu werden in meinem Kiez. 
22:00 gestern: Ich fahre mit meinem Hund auf dem Fahrrad nach Hause und werde Zeuge einer wahnsinnig witzigen Situation. Zwei Spanierinnen (erkannt an den Frisuren: vorne teilweise abrasiert und hinten ein kleines Zöpfchen und natürlich der Sprache) unterhalten sich angeregt und sehr vertieft auf dem Fahrradweg. Da ich den Fahrradweg kaum nutze und meistens auf dem Gehweg fahre konnte ich diese Begebenheit sehr gut von der Seite beobachten. Ein alter Ur-Berliner fährt wackelig (vermutlich kam er gerade aus seiner Stammkneipe vom Dart-Turnier) auf die beiden Mädels zu. Sie nehmen ihn nicht wahr. Er klingelt. Sie reagieren nicht. Er klingelt nochmal etwas lauter und eindringlicher. Sie schauen kurz auf und reden dann unbeirrt weiter. Er wird ungeduldig und ruft: "Ey, dit is hiern Fahrradweg und keen Jehweg!" Die beiden scheinen zu verstehen und machen in Zeitlupe den Fahrradweg frei. Ich stehe daneben und kichere.
Eine Freundin, die in einem Café in der O-Straße arbeitet berichtete mir, dass es deren Karte nun auch auf Spanisch gibt. Auf Türkisch nicht. Ich kann mich erinnern letzten Sommer so oft, wie noch nie nach der Bar25 gefragt worden zu sein, dass ich mir ein T-Shirt mit der Adresse und der Wegbeschreibung hätte drucken lassen sollen. 

Doch hat diese Invasion selbstverständlich nicht nur negative beziehungsweise nervige Seiten. Das Gefühl auf der Straße im Sommer, wenn man die Augen schließt und um sich rum nur Spanisch hört ist wunderbar. Man fühlt sich ein bisschen wie im Urlaub. Und das Tollste daran ist, dass man sich nicht auf der Insel Mallorca befindet, Mitten am Ballermann, sondern in einer so tollen Stadt wie Barcelona/Berlin. Und vielleicht könnte sich so mancher noch etwas von der lockeren spanischen Lebensart abschneiden, was das Leben manchmal so viel entspannter machen würde. Ein weiterer Vorteil ist: Wir sind Fußball Weltmeister!!!!

06 Februar 2011

Parallelwelten...

"Der Begriff Parallelwelt oder Paralleluniversum bezeichnet eine Welt oder ein Universum, das außerhalb des bekannten Universums existiert. Die Gesamtheit aller Parallelwelten wird als Multiversum bezeichnet. Parallelwelten sind vor allem aus der Science-Fiction bekannt, ihre theoretische Möglichkeit wird jedoch auch in Bereichen der Physik diskutiert. In einem übertragenen Sinne wird der Begriff auch in der Psychologie und in den Gesellschaftswissenschaften verwendet." 
Ich befand mich gestern in einer Parallelwelt. Wir waren in einer Bar mit dem Motto "In ist, wer drin ist". Ich habe von dieser Welt schon gehört und gelesen, aber war bisher noch nicht physisch dort anwesend. Und das hat auch einen Grund. Ich laufe ganz gern mal schlampig rum, liebe meine Jogginghose, die aussieht als wäre sie von der Urgroßmutter zur Großmutter, von der Großmutter zur Mutter und von der Mutter zur Tochter weitervererbt worden. Ich liebe es auch mal "politisch inkorrekt" zu sein, sage meine Meinung und trinke sehr gern den billigsten aller Proseccos. Champagner mag ich nicht. Schmeckt nicht! Ist nur teuer, sonst nix! 
Koksen ist nicht mein Ding. Meine Nase puder ich lieber mit nem 2-Euro Bronzepuder. 
Ich kenne kaum Labels und kann mich trotzdem so anziehen, dass ich bei Wirtschaftsgipfeln oder in schicken Restaurants gut aufgehoben bin und nicht aus der Reihe tanze. Meine Freunde mögen mich, weil ich ICH bin und nicht, weil ich irgendwo nen "guestlist Platz checken" kann, oder immer weiß wo die angesagteste Party ist und wer dort hingeht. Vor allem mögen diese Freunde mich auch noch, wenn ich mal absolut peinlich, ungerecht oder volltrunken bin und nicht mehr laufen kann. In der Parallelwelt ist man damit raus! 
In meiner Welt definiert man sich nicht über Klamotten, Kontakte und Koks. In der Paralllelwelt sind die drei K`s unabdingbar.
Männer, die lila Samtsakko, orangenen Wollrollkragenpulli und "pedophile beard" tragen, dabei ihr Champagnerglas mit gespreiztem Finger halten und über absolut unsinniges (in meiner Welt zumindest) Zeug philosophieren, sind mir suspekt. Ich ihnen übrigens auch! In meinem "go love your own city" T-Shirt fiel ich ihnen auf... Allerdings nicht unbedingt positiv. Mit gerümpfter Nase, nervösem Seitenblick oder mit offener Verachtung wurde ich gemustert. Nur Besucher aus meiner Welt, welche sich auch verirrt hatten, waren mir freundlich gestimmt.
Bisher war diese Parallelwelt für mich eher im Süden Deutschlands und in einigen Bezirken Berlins. Mittlerweile verwischen diese Grenzen immer mehr und Parallelweltler ziehen in meine Gegend. Es scheint so als würden sie sich vermehren und dadurch mehr Platz benötigen. Leute aus meiner Welt würden freiwillig nämlich nicht nach Mitte, oder München ziehen. Und so vermischen sich die beiden Welten und bilden ein Multiversum. Manche nennen es auch Gentrifizierung oder das "vermehrte Auftreten Zugezogener in eigentlich sehr runtergekommenen Gegenden, die aber plötzlich hip sind!".
Und so kann man Kreuzberg und leider auch Neukölln mittlerweile mit der gestrigen Bar vergleichen: In ist, wer drin ist. 

19 Januar 2011

Herzensmenschen

Es gibt Menschen, die aus dem Nichts auftauchen zu scheinen. Zum richtigen Zeitpunkt im Leben. Es passt einfach. Der  Humor ist kompatibel, die Ratschläge wirken nicht aufgesetzt, altklug oder von oben herab, man ergänzt sich. Solche Menschen begegnen einem nicht oft im Leben, aber bleiben hoffentlich für immer.
Bekannte hat man viele, aber echte Freunde für die man sogar, nach einer durchzechten Nacht mit einem Gefühl wie Jay nach der Dschungelprüfung, nach Russland mit dem Fahrrad fahren würde im Oma-Schlüpper, gibt es so selten wie Menschen mit normalen Namen in Ostdeutschland (nicht böse sein). 
So einen Menschen habe ich gefunden. 
Sie ist mein Ying zu meinem Yang, mein Negativ zum Positiv, mein Felsen (sehr kitschig, aber wahr für den, der es kennt). 
Sie ist die zukünftige Patentante meines ungeborenen Kindes (der Name ist zwar geheim, aber ich muss ihn mitteilen: Zafula Grobian), die Patentante meines soziopathischen psychisch labilen passiv aggressivem Hundes, sie ist Anführerin der Gummibärchenbande, zukünftige Trauzeugin, Herzensmensch.
Viele Menschen finden uns anstrengend, wenn wir brüllend vor Lachen, oder pöbelnd mit der Gummibärchenbande (3 außen hässlich/innen schön-Hunde) durch Neukölln ziehen und dabei beim Überqueren der Straße den Moonwalk machen. 
Manche verstehen unseren Humor nicht, wobei wir behaupten, dass jene Menschen keinen Humor besitzen können. 
Bei Langeweile spielen wir schonmal Tourist und fragen mit badischem Akzent fremde Menschen nach dem Weg zum Hundeplatz. Danach können wir uns gemeinsam stundenlang kugeln vor Lachen. 
Ihre Ratschläge sind immer ehrlich. Sie kann ich anrufen, wenn ich mich in einen Königspudelwelpen verliebt habe, der absolut nicht in meine Welt passen würde. Sie wäscht mir den Kopf und danach ist alles klar.
Nastyran aka Nastafaray aka Miss Iran (ich weiß du hasst das jetzt beim Lesen) aka Negativ aka Wenn-sie-lacht-schlägt-die-Richterskala-aus aka Herr Nastaran-ja?! aka Miss Hummeltaille aka Olivia aka "Prostituierte auf Crack" aka Uschi aus Neukölln aka Küchennazi (-nassi) kümmert sich sogar mit 40 Fieber mehr um andere, als um sich selbst. 
Sie ist noch Single, weil kein Mann gut genug für sie wäre. Das ist allerdings nicht ihre Sicht der Dinge, sondern meine und wahrscheinlich auch die aller Männer. Ein Mann neben ihr muss wie Superman sein, find ich. Er muss besser im Kampfsport sein als sie, sollte handwerklich unschlagbar sein, kochen können wie ein Sternekoch, ihren Hunden genügen, mal nebenbei ein Kalb auf die Welt bringen während er den Taschendieb verprügelt, musikalisch, belesen, Filminteressiert und ganz wichtig: genauso ein wahnsinniger Herzensmensch sein wie sie! Ansonsten würden ihre Familie und ich wahrscheinlich immer den Kopf schütteln und sagen, dass der Kerl nicht passt, weil er ihr nicht annähernd das Wasser reichen könnte. Sie hat den Besten der Besten verdient! 


Wichtig ist in einer Freundschaft, dass man nicht nur miteinander lachen, sondern auch weinen und mitfühlen kann. Wenn es ihr schlecht geht ist mein Tag versaut. Wenn sie krank ist, dann merkt man das an meiner fahlen Gesichtsfarbe und der Unausgeglichenheit meines Hundes, weil wir beide nicht hinaus gehen. 


Wem der ganze Text zu schmalzig ist, der hat nicht das gleiche Glück wie ich!
Liebe ist, wenn man ohne Zwiebeln kocht aus Angst eine glasige Zwiebel könnte sich verirrt haben.

10 Januar 2011

Serienjunkie oder: mein anderer Freundeskreis


Als Kind wollte ich sein wie Ronja Räubertochter und aussehen wie die kindliche Kaiserin. Ich stellte mir vor, dass Atreju mein Freund ist und wir zusammen auf Fuchur reiten. Ich wollte auch einen Piratenpapa wie Pippi und so stark sein wie She-ra!
Meine ersten Oberschulerfahrungen sammelte ich mit Parker Lewis und stellte mir oft vor wie lustig es wäre den Lehrern die abgefahrendsten Ausreden für meine Verspätung aufzutischen und damit durchzukommen.

Später verliebte ich mich in Michael. Michael Knight; und träumte meine ersten unanständigen Träume von ihm. Diese Liebe hielt jedoch nicht lange, weil Michael daraufhin von Jordan Catalano (Jared Leto -->Willkommen im Leben) abgelöst wurde. Ich ließ mir die Haare schneiden und färben wie Angela Chase und hoffte auf eine zufällige Begegnung mit meinem Traummann.
Nach kurzem Abwenden und Real-Life Freunden, zog ich mich öfter in Daniels Bar zurück (GZSZ). Ich fand neue, aufregendere Freunde und traf mich jeden Abend um 19:40 Uhr mit ihnen. Jeden Tag, außer am Wochenende, regte ich mich über Joe Gerner auf, trauerte mit Leon und wunderte mich über Vera, Clemens und Daniel. Die Wochenenden waren traurig. Ich musste was mit meinen anderen Freunden unternehmen. Zum Glück war eine Freundin auch immer mit mir in Daniels Bar und kannte alle Lästereien, Intrigen und Geschichten. Somit waren die Wochenenden, wenn ich mich mit ihr getroffen habe, nicht ganz so einsam.
Nachdem Daniels Bar abgebrannt ist und viele meiner Freunde unter den mysteriösesten Umständen gestorben, erkrankt, verschwunden oder sonstwas sind, folgte eine lange Phase der Real-Life-Freunde. Ohne wirre Intrigen und jeden-normalen-Menschen-in-den-Selbstmord-treibende-Geschichten lebte ich ein ganz normales Teenie-Leben. Doch ich merkte, dass mir etwas fehlt.
Vor einem Jahr traf ich Vincent, Turtle, Drama und Eric. Die vier Jungs kommen aus New York und haben es geschafft mich von meinen langweiligen BWL-Klausurthemen abzulenken. Besonders Ari brachte mich auf andere Gedanken und brachte mir im Endeffekt wahrscheinlich auch die schlechten Noten ein. Sehr schlechter Einfluß dieser Freundeskreis. Doch das habe ich erst sehr spät gemerkt. Zu spät. Ich fiel durch eine Klausur und schrieb die anderen ganz miserabel. Zum Glück distanzierten die Jungs sich nach 7 Staffeln und ich werde sie erst Mitte diesen Jahres wiedertreffen. Die Anfangszeit war sehr schwer. Die Trennung ließ mich in ein tiefes Loch fallen. Ich trauerte und vermisste die Jungs, aber zum Glück lernte ich Merlin und Arthur kennen. Die beiden sind auch ganz bezaubernd und schafften es, zumindest anfangs, mich von meiner Trauer zu befreien. Doch beendeten sie unsere Beziehung schon sehr schnell und ich weiß nicht, ob ich sie jemals wiedersehen werde. Der Trennungsschmerz ist nicht weniger schlimm als bei Ari und Co.
Kurzweilige Affären mit Walter und Jesse, Dale Cooper oder Stefan Salvatore halfen nicht mal annähernd. Ich fühlte mich allein gelassen, war niedergeschlagen und suchte nach neuen Freunden, aber wurde sehr oft enttäuscht. Jack und Liz Lemon waren hoffnungsvolle Kandidaten, aber nach 3 Staffeln trennten sich unsere Wege. Wir hatten uns auseinander gelebt.
Doch da, ein wahrer Lichtblick: endlich lernte ich Vampire kennen. Das wollte ich schon immer. Na gut, sie sprechen etwas komisch und sind vielleicht auch nicht der beste Umgang. Ständig haben sie versauten und brutalen Vampirsex, verkaufen Drogen und sind auch sonst nicht sehr vorzeigbar, aber sie haben mich aufgefangen und ich habe viele intensive Stunden mit ihnen verbracht. Diese Beziehung ließ sich sogar mit meinem Real-Life-Partner verbinden. Er verstand sich auch gut mit ihnen und wir konnten uns gemeinsam treffen. Toll, das ist eine Freundschaft fürs Leben, dachte ich mir. Leider wurde ich wieder enttäuscht. Nach mickrigen 3 Staffeln zusammen, entschieden sie sich für eine Beziehungspause. Ich wollte es nicht wahr haben, hab gebettelt und gefleht, aber es half nichts. Sie haben jedoch eine Versöhnung nicht ausgeschlossen und ich hoffe auf ein Wiedersehen in 2011.
Mittlerweile möchte ich nicht mehr so sein, wie meine Freunde, aber ich kann mich doch sehr schlecht von ihnen trennen.
Die bisher schlimmste Trennung erlebte ich allerdings erst vor kurzem. Ich leide immernoch sehr und sehne mich jeden Tag nach einem Wiedersehen. Auch wenn es nur ein Kurzes ist. Nucky Thompson! Mit ihm hatte ich die bisher schönste Zeit. Wir verbrachten sie im Atlantic City der 20er Jahre. Ich war schon so weit zu glauben, ich sei in der falschen Zeit geboren. Wir durchlebten zusammen Höhen und Tiefen, mordeten, lachten, tanzten, tranken und liebten. Nucky kommt wieder! Das weiß ich. Es liegt auch nicht an mir. Es liegt allerdings auch nicht an ihm. Terence Winter ist der Bösewicht in unserem Fall. Er ist zu langsam!

Und so bleibt mir nichts anders übrig als immer wieder kleine Affären zu haben und zu hoffen, dass ich neue Freunde finde, die vielleicht einmal lebenslänglich bleiben. Solang es nicht soweit ist, muss ich mich mit meinen Real-Life-Freunden begnügen, die eigentlich auch nicht so schlecht sind. Es ist halt nicht alles so aufregend, aber dafür echt und auch wunderschön!!!

09 Dezember 2010

Laaaaaangsaaaaaam!!!


Ja, ja, ich weiß, dass ich letztes Mal schon über das Älterwerden geschrieben habe, aber diesmal ist es anders. Diesmal bin ich der Meinung das Geheimnis des langsam älter werdens geknackt zu haben. Ha, meine Theorie ist der Knaller!
Also Folgendes: es gibt zwei Sorten von Menschen.

1. Die, die alles immer sehr schnell erledigen, immer hibbelig sind, nicht einfach nur rumliegen können und oft etwas gestresst wirken. Ich bin zum Beispiel so ein Mensch. Mir fällt es extrem schwer einfach zu schlendern, den ganzen Tag im Bett zu liegen oder Ähnliches. Ich nehme es mir vor, aber ich kann es nicht.

2. Die, die eher langsam sind. Erstmal abwarten, was so passiert, bevor man handelt, immer eher ruhig bleiben und nicht hysterisch hin und her rennen. Auch mal Fünfe gerade sein lassen.
Bei denen das Spülmaschine ausräumen 30 Minuten dauert, Duschen 30 Minuten dauert, Rasieren 30 Minuten dauert, Staub saugen 1 Stunde, Nudeln kochen 50 Minuten... Insgesamt dauert also einfach alles viiiiiel länger. So ein Mensch ist mein Freund.

Langsam zu sein hat mehrere Vorteile. Zum Einen wird man weniger gefragt, ob man Dinge erledigen kann, weil es einfach zu lang dauern würde. Also hat man mehr Zeit für Dinge auf die man selbst Lust hat.
Und zum Anderen habe ich festgestellt, dass man dementsprechend auch langsamer altert. Es funktioniert eben wirklich ALLES langsamer im Körper. Warum also nicht auch der Alterungsvorgang?!
Auf der anderen Seite der übersteuerte, hibbelige Typ. Eher etwas abgekämpft, zottelige Haare (vom vielen Herumrennen) und schneller Falten, weil die Zeit dadurch auch schneller zu vergehen scheint.

Mein Freund benimmt sich manchmal als wäre er 5 Jahre alt. Und meiner Theorie zufolge kann das eigentlich auch stimmen. Ich hingegen komme mir oft vor als wäre ich 50 und Mutter von einem 37-jährigen Kind. Schlimm, aber andererseits auch bezaubernd. Seine Sicht auf Dinge ist bewundernswert. Er sieht alles lockerer, denkt nicht an morgen. Verschwendet keine Zeit mit gestern. ER kann mehrmals hintereinander weggehen, weil er alles langsam angeht und sich nicht stresst, dass er ja noch dorthin muss und vorher noch Dieses oder Jenes erledigen muss.

Die nette Katharina in mir bewundert ihn und möchte auch gern so sein. Die böse Katharina ärgert sich über nicht erledigte Aufgaben. Die Glühbirnen, welche seit Monaten nicht funktionieren, aber nicht ausgewechselt werden, der Klopapierhalter, welcher nur noch an einer Schraube hängt... Ebenfalls seit Monaten. Das alles macht die hibbelige Katharina noch hibbeliger. Und dann schaue ich meinen Freund an, der tiefenentspannt, faltenlos und 20-jährig-aussehend auf dem Sofa liegt und gaaaanz langsam eine E-Mail beantwortet, dann denke ich, dass ich definitiv noch ganz viel von ihm abschauen kann.

29 November 2010

Die Zeit vergeht..


In letzter Zeit erwische ich mich manchmal dabei, dass ich denke "Oje, dafür bin ich irgendwie zu alt!". Und das mit 26...
Früher konnte man dreimal hintereinander feiern gehen und dabei alles gemischt trinken, dann noch mit den Öffentlichen nach Hause fahren; am nächsten Tag hatte man höchstens ein bisschen Kopfschmerzen. Mittlerweile bin ich nach einem Abend im Club so zerschossen, dass ich zwei Tage brauche um wieder einigermaßen normal auszusehen und mich auch so zu fühlen.
Ein weiteres Beispiel ist, dass man für bestimmte Aktivitäten, oder Aufgaben viel mehr Anlaufzeit benötigt. Irgendwie vergeht die Zeit mittlerweile schneller und ich wundere mich Anfang Dezember, dass es kalt ist, weil nach meiner inneren Uhr eigentlich noch Sommer ist. Man braucht für Haushaltsaktivitäten plötzlich vier Stunden, obwohl man das vorher noch in zwei geschafft hat. Eine Stunde mentale Vorbereitungszeit, eine Stunde putzen und zwei Stunden erholen.
Auch ist man plötzlich irritiert über Wörter wie "laser". Gestern kam die Erkenntnis, dass dieses Wort doch tatsächlich im Sprachgebrauch eingeführt ist. Ich hielt es für einen Scherz, aber das ist es nicht.
Auch neu ist, dass Kinder und Jugendliche mich siezen. "Entschuldigen Sie, hätten Sie vielleicht eine Zigarette für mich?". Und noch schlimmer als diese Frage ist eigentlich meine Reaktion darauf, weil ich dann abwäge, ob derjenige denn auch schon 18 ist... Wie spießig... Ich habe doch damals auch schon früh angefangen zu rauchen.
Früher habe ich mich geärgert, wenn der Türsteher mich nach meinem Ausweis gefragt hat. Ich sah doch schon so erwachsen aus; wie kann der Mann es wagen mich zu fragen. Schließlich bin ich auf meinem Schülerausweis doch schon längst 18. Mittlerweile werde ich nicht mehr gefragt und wünsche es mir insgeheim, dass es doch mal passiert.
Vor ein paar Jahren wurde ich richtig wütend, wenn jemand mich jünger geschätzt hat. Heute ist das definitiv anders. Mein Tag ist gerettet, wenn jemand sagt ich sehe aus wie 21.
Auch die Themen ändern sich. Hat meine Mutter bis vor ein paar Jahren noch den Kopf geschüttelt, wenn ich über heiraten und Kinder kriegen gesprochen habe, kriege ich jetzt ernsthafte Antworten und Tipps.
Auf dem Wunschzettel stehen Töpfe, Bettwäsche, Wohnungsgegenstände und nicht mehr Gutscheine für H&M, oder Kosmetik.
Man trifft sich abends lieber mit seinen Mädels (mittlerweile weiblichen Freunden, weil Mädels sich irgendwann komisch anhört) und strickt, trinkt nen guten Wein, oder kocht und ist um eins müde, weil der Tag doch ganz schön anstrengend war. Abends schmiert man sich die Creme ins Gesicht, die man nicht nach dem Geruch und der Verpackung, sondern nach Inhaltsstoffen und Wirkung gekauft hat.

Doch so schlimm ist das eigentlich alles nicht. Auch die ersten grauen Haare zu finden und schnell auszureißen, bevor sie jemand sieht... Alles halb so wild.
Schließlich stimmt der Satz: "Frauen altern wie Milch, Männer wie Wein!" nicht.
Meine Mutter ist das beste Beispiel, dass man schöner werden kann mit dem Alter. Und schlauer wird man im Zweifelsfall auch.
Und feiern gehen muss man sowieso nicht so viel. Ich spare das Geld lieber für eine Eigentumswohnung...