Wer jetzt denkt es gehe um Sex hat sich geirrt! Sorry, keine peinlichen Geschichten über private Schlafzimmergeschichten. Viel mehr beklage ich heute das Schicksal meines Lebens als notorische Zufrühkommerin bzw. Zufrüherscheinerin. Ja, liebe Freunde, die gibt es. Ich weiß, dass sich das viele Menschen aus meinem Freundeskreis nicht vorstellen können, aber Zu-früh-bei-Verabredungen-Erscheiner existieren!
Die ewige und leidige Geschichte meines Lebens als Dummrumsteher, Nicht-wissen-wohin-mit-den-Armen-Warter fing schon recht früh an und wurde mir vermutlich von meiner Mutter vererbt, die schon früh morgens in Panik ausbricht, wenn der Flug in den Urlaub erst spät in der Nacht geht.
In der Schule hatte es meist Vorteile bezüglich der Noten. Ich war immer die Erste im Klassenzimmer (manchmal musste mir der Hausmeister den Raum aufschließen und war nicht glücklich, dass ich ihn aus dem Bett geklingelt hab) und wusste erstmal nicht, was ich mit meiner Zeit anfangen sollte. Aus lauter Langeweile entschied ich mich oft dafür zu putzen und aufzuräumen. Übrigens eine meiner liebsten Zeitverzögerungsbeschäftigungen. Die Tafel war also beim Eintreffen des Lehrers blitzsauber, die Stühle vom Tisch genommen und der Lehrer hocherfreut. Meist folgte dann noch ein Plausch mit dem Lehrer, was mir zusätzliche Pluspunkte einbrachte. Die Noten waren dementsprechend gut ohne, dass ich mich lernstoffmäßig anstrengen musste.
Als Zufrühkommer hat man also bei offiziellen Anlässen meistens einen Vorteil. Anders ist es bei privaten Verabredungen.

Um 13:15 sitze ich dann also völlig außer Atem, abgehetzt und nicht bester Laune auf dem U-Bahnhof. Nun können trotzdem noch viele Dinge passieren, denke ich mir. Die Bahn könnte einen technischen Defekt haben, ein Fahrgast könnte einen Herzinfarkt haben und ich müsste Erste-Hilfe anwenden... Wie war das nochmal? Erst drücken, dann pusten? Wie oft drücken? Wieviel pusten? HILFE!!!! Und ist denn mein Semesterticket überhaupt noch gültig? Auch könnte dem Hund plötzlich schlecht werden. Das kann passieren. Auch nach 5 Jahren regelmäßig U-Bahn fahren ohne Komplikationen.
Nach einer reibungslosen Fahrt bin ich also um 13:45 am Ziel. 15 Minuten vor verabredeter Zeit. Noch eine rauchen, dann müsste mein Date kommen. 14:15 - 3 Zigaretten später - Date nicht in Sicht - Anruf: keine Antwort. 14:16 - Anruf - keine Antwort - ich fange an mir Sorgen zu machen und stelle mir vor, dass mein Date in der Badewanne ausgerutscht ist und im eigenen Blut schwimmend mit letzter Kraft versucht ans Handy zu kommen. 14:20 - 1 Zigarette - 20 Anrufe - 5 SMS - 3 Whatsapps - 2 Voxernachrichten - ich fange an zu schwitzen und unruhig hin und her zu laufen, während ich die Nachrichten über Unfälle der Polizei im Internet abrufe. Der Hund ist ebenfalls unruhig und fiept. Der Gedanke daran, dass ich den Termin ja eigentlich auf 14 Uhr gelegt habe, damit die andere Person um 15 Uhr da ist, kommt mir garnicht. 14:30 - 3 weitere Zigaretten - ein Klobesuch in einem Café - Anruf: endlich eine Antwort! Es ist nichts Schlimmes passiert. Mein Date geht jetzt langsam los... Innerlich schreie ich und rattere die wüstesten Beschimpfungen runter. "Ja, sorry, mir ist noch was dazwischen gekommen!" WAS?????? WIR HABEN DOCH ALLE HANDYS!!!!!! RUF MICH DOCH AN! Abgesehen davon, dass ich vermutlich dann trotzdem schon am Zielpunkt gewesen wäre und das auch nichts geändert hätte. Um 15 Uhr kommt mir mein Date dann tiefenentspannt und lächelnd entgegen. Hund und ich sind am Ende unserer Kräfte. Durchgeschwitzt, 10 graue Haare mehr, ohne Zigaretten und völlig erschöpft vom Ausmalen der schrecklichen Dinge, die hätten passiert sein können. Wartezeit: 1 Stunde 15 min.
Der Plan nicht warten zu müssen, weil man ja eine andere Zeit verabredet hat, um nicht warten zu müssen, weil das Gegenüber IMMER zu spät kommt, hat nicht funktioniert. Und selbst wenn ich von 15 Uhr ausgegangen wäre, dann hätte ich trotzdem 30 min. warten müssen. 15 min. zu früh, der Andere 15 min. zu spät = 30 min. Geschichte meines Lebens!

Besonders liebe ich auch die Aussage: "Ich bin gleich da!" GLEICH!!! "Gleich" kann alles bedeuten und ist ein sehr dehnbarer Begriff, der unterschiedlich benutzt wird. Bei mir bedeutet "gleich" innerhalb der nächsten halben Stunde (höchstens). "Gleich" eingesetzt beim Thema Müll runterbringen kann alles zwischen 15 min. und 1 Woche bedeuten. Wenn ich also höre, dass etwas "gleich" erledigt wird, sehe ich mich die angefragte Tat schon selbst ausführen, weil ich denke der Müll begrüßt mich sonst an der Wohnungstür und schmeißt in der Zwischenzeit eine kleine Party.
Pünktlichkeit ist angeblich eine deutsche Tugend. Wie kann es aber sein, dass die "Deutsche Bahn", die ja wieder Name schon sagt, deutsch ist, IMMER zu spät kommt? Genau wie die meisten meiner Freunde!
Und trotzdem braucht man die Deutsche Bahn/Freunde. Ohne die Deutsche Bahn würde ich nicht zur Uni kommen. Ohne Freunde würde ich die Uni nicht aushalten.
Und außerdem heißt es ja auch: "Besser zu spät, als nie!"